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Schulden und Bürgschaften

Ein Bürge wird dann in Anspruch genommen, wenn der ursprüngliche Schuldner die vereinbarten Raten nicht mehr zahlt. An seiner Stelle muss nun der Bürge
so lange bezahlen, bis das komplette Darlehen mit allen Nebenkosten erledigt ist.



Eine Bürgschaft einzugehen, sollte wohl überlegt sein. Denn wenn der Kreditnehmer nicht mehr zahlen kann oder will, muss der Bürge für eine fremde Forderung geradestehen – unter ungünstigen Umständen ein Leben lang, obwohl er von dem Geld nichts gehabt hat.

Es sollte der Grundsatz bestehen, möglichst niemals eine Bürgschaft zu übernehmen! Selbst die besten Freunde und nächsten Verwandte sind keine Garantie, dass alles gut geht. Im Gegenteil – jeder Rechtsanwalt kann Ihnen zahllose Gegenbeispiele liefern. Ein Darlehen läuft über viele Jahre. Und in dieser Zeit liegt es vollkommen außerhalb Ihrer Kontrolle, was mit dem Kredit geschieht. Er kann Not leidend werden durch Arbeitslosigkeit, Scheidung, Unfall, schlechte Konjunktur, Missmanagement und vieles andere mehr. Nicht selten zerbrechen Freundschaften daran.

Allerdings gibt es rechtliche Situationen, wo eine Bürgschaft abgeschüttelt werden kann.

Der Bundesgerichtshof (BGH) und das Bundesverfassungsgericht (BVG) haben dafür einen Kriterien-Katalog aufgestellt, wann eine Bürgschaft sittenwidrig ist.

• Wenn Sie arm waren, als Sie die Bürgschaft eingegangen sind. Das ist dann der Fall, wenn Sie überhaupt kein oder nur ein geringes Einkommen hatten (vgl. BVG 1 BvR 567/89, BGH IX ZR 333/95, BGH XI ZR 248/99).

• Wenn die Bank Sie „auf Vorrat“ zum Bürgen gemacht hat. Sie wusste, dass Sie vermögenslos sind, erwartet aber, dass Sie irgendwann etwas erben. Werden Sie in Anspruch genommen, bevor der Erbfall eintritt, ist das ebenfalls nicht zulässig (vgl. BGH IX ZR 69/96).

• Wenn ein krasses Missverhältnis besteht zwischen Kreditsumme / Bürgschaftshöhe und eigenem Einkommen. Wer 1.500 oder 4.000 Euro netto verdient, würde bei der Bank auch keinen Millionenkredit bekommen. Warum sollte er dann aber als Bürge gut genug sein? (vgl. BGH IX ZR 198/98)

• Wenn Sie keinen direkten Vorteil aus dem Darlehen hatten (Beispiel: Lebenspartner kauft sich von dem Geld ein Motorrad, wofür Sie selbst keinen Führerschein haben).

• Wenn Sie übervorteilt worden sind (Beispiel: der Kreditsachbearbeiter konnte erkennen, dass Sie keine Ahnung von geschäftlichen Dingen haben und vor allem nicht wissen, welche Konsequenzen eine Bürgschaftsübernahme haben kann. Trotzdem erfolgte keine Aufklärung), vgl. BGH IX ZR 227/93.

• wenn Sie der Gläubiger unter Druck gesetzt hat (durch psychischen Druck, durch Drohungen usw. „Wenn Sie nicht mitunterschreiben, dann…“), vgl. BGH IX
ZR 222/94.

Was geschieht mit einer Bürgschaft nach Trennung oder Scheidung?

Wenn ein Ehepartner während der Ehe eine nicht zu beanstandende Bürgschaft für den anderen Partner eingegangen ist, ändert das im Prinzip nichts an der Rechtslage nach einer Trennung bzw. Scheidung. Doch im eigenen Interesse sollte der Bürge unbedingt versuchen, aus der Bürgschaft freizukommen. Andernfalls kann es passieren, dass der Bürge noch nach vielen Jahren die Schulden des Ex-Partners zurückzahlen muss. Das Familiengericht lässt den Ehegatten freie Hand, wie sie dieses Problem im Rahmen einer Scheidungsvereinbarung lösen. Doch auf einem anderen Blatt steht, ob das Kreditinstitut damit einverstanden ist. Erfahrungsgemäß tun sich die Banken damit schwer, auf einen Bürgen so mir nichts dir nichts zu verzichten. Hier ist Verhandlungsgeschick gefragt.

• Mit den o.g. sittenwidrigen Klauseln lässt sich einiges machen.
• Oder man macht aus eins zwei, d.h. der Kredit wird in zwei Darlehen umgewandelt.
• Am einfachsten geht es, wenn der Kreditnehmer einen neuen Bürgen präsentieren kann.

Unterschied Ausfallbürgschaft – selbstschuldnerische Bürgschaft

Die Ausfallbürgschaft ist der Normalfall. Fällt der Schuldner aus, muss der Bürge weiterzahlen. Bei einer selbstschuldnerischen Bürgschaft ist man immer in der Gefahr, zahlen zu müssen. Man wird behandelt, wie wenn man selbst die Schulden gemacht hätte und der Gläubiger kann sich bei Verzug aussuchen, an wen er sich hält. Also eine noch gefährlichere Sache (natürlich Lieblingskind der Banken).

Schulden – Alarmzeichen

Schulden / Überschuldung ist nicht asozial und es kann wirklich jeden treffen.

Ich kenne nur sehr wenige Menschen, die noch keine Schulden gemacht haben. Ich meine damit auch, wenn etwas auf Raten gekauft wird. Im Normalfall kann man die Raten abbezahlen, wenn nichts Unvorhergesehenes eintritt wie z. B. Verlust des Arbeitsplatzes oder wichtige finanzielle Ausgaben. Von Schulden in Überschuldung zu kommen ist ein fließender Vorgang, und nicht immer werden die Warnsignale als solche sofort wahrgenommen.

Frühe Warnzeichen z. B. sind…

– Sie verfügen über keine finanziellen Reserven mehr.
– Sie zahlen erst dringende Rechnungen und stellen andere hinten an, weil Sie diese in Ihrer momentanen Lage nicht zahlen können.
– Wenn Sie zum Monatsanfang oder -Mitte Ihr Geld bekommen und nach den Abbuchungen der Grundkosten und Raten kaum noch verfügbares Einkommen übrig bleibt.
– Sie erhalten einen negativen Schufa-Eintrag.
– Die ein oder andere Überweisung wird zurückgebucht, da Ihr Konto überzogen ist.
– Bei Auskünften Ihrer Finanzlage sind Sie nicht mehr ganz ehrlich.

Wenn Sie diese ersten Alarmanzeichen wahrnehmen, machen Sie sich einen ganz genauen Überblick über Ihre Schulden. Nehmen Sie auf keinen Fall einen Kredit um diese Schulden abzudecken, was leider zu viele Menschen tun und damit die Abwärtsspirale erst richtig in die Gänge bringen. Bereits in dieser Phase können Sie mit einer Schuldnerberatung in Kontakt treten. Hier wird dann zusammen ein Plan erarbeitet, wie Sie einsparen und/oder Ihr Einkommen erhöhen können. So einen Plan könnten Sie durchaus auch alleine oder mit der Familie erstellen und diszipliniert durchziehen. Wie solche Maßnahmen aussehen können, habe ich in der Kategorie: „Spartipps und Einsparpotentiale“ beschrieben.

Allerdings… aus Erfahrung weiss ich, dass kaum so eine Planung in Eigenregie konsequent durchgezogen wird und empfehle hier dringendst zu einer Schuldenberatung zu gehen. Lesen Sie hier nach, was zu beachten und wie der Ablauf ist https://www.schuldeninfo24.de/?cat=12

Sollten Sie es aber „schleifen“ lassen, kommen Sie in die nächste Stufe der Alarmzeichen und Ihre Situation verschärft sich immer stärker…

– Sie sind kurz vor oder bereits über Ihrem Dispo-Limit.
– Sämtliche Ratenzahlungen sind zu hoch.
– Ständig kommen Rechnungen, Mahnungen und/oder Inkasso-Forderungen.
– Sie haben keinen Überblick mehr über Ihre Gläubiger und Ratenzahlungen.
– Sie bauen weiter Schulden durch Kredite auf.


Jetzt schaffen Sie es nicht mehr ohne professionelle Hilfe und sollten dringendst einen Termin bei einer Schuldenberatung wahrnehmen. In dieser Situation sind Sie leichte Beute für alle möglichen Abzocker. Wie sie solche erkennen, kann hier nachgelesen werden: https://www.schuldeninfo24.de/?p=154.

Die letzten Alarmzeichen und es sollte in keinem Fall soweit kommen…

– Sie erhalten Mahn- und Vollstreckungsbescheide.
– Sie haben keinen Zugriff mehr auf Ihr Konto, da es gesperrt wurde.
– Die Ratenzahlungsvereinbarungen und Kredite werden gekündigt.
– Post vom Gerichtsvollzieher.
– Ihr Arbeitgeber bekommt einen Antrag auf Lohnpfändung.
– Lohn oder Gehalt werden gepfändet.
– Sie haben extreme Angst, Ihren Arbeitsplatz zu verlieren.
– Sie müssen den Offenbarungseid / eidesstattliche Versicherung abgeben.
– Es wird gedroht, die Hypothek zu kündigen.
– Sie stehen kurz vor der Zwangsversteigerung.
– Ihre gesamte finanzielle Planung ist geplatzt.
– Sie haben gesundheitliche Probleme.
– Ein sozialer Abstieg steht kurz bevor.

In dieser letzten Phase sind die Chancen denkbar schlecht und hier kann eigentlich nur noch eine Schadensbegrenzung erfolgen, die Sie auf keinen Fall mehr alleine schaffen können. Viele überschuldete Menschen gehen nicht rechtzeitig zu einer Schuldenberatung, da sie Angst vor einer Insolvenz haben. Dabei sollte man wissen, dass in einem Frühstadium sicher keine Insolvenz von den Schuldenberatungen angestrebt wird und auch gar nicht nötig ist. Lassen Sie es nicht zu der letzten Phase kommen und nehmen Sie Hilfe in Anspruch, so lange Sie noch den Überblick über Ihre Schulden haben.

Schulden nach Trennung / Scheidung

So werden Schulden nach einer Trennung / Scheidung der Eheleute aufgeteilt

Vorab gilt es zu unterscheiden ob es gemeinsame Schulden der Eheleute sind, oder die nur einer der Ehegatten hat.

Somit sind Schulden die während der Ehe gemacht wurden, nicht immer gemeinsame Schulden.

Ausschlaggebend ist immer, wer den Kreditvertrag oder sonstige Verträge unterschrieben hat. Wird z.b. während der Ehezeit ein Zweitauto angeschafft und die Ehefrau schließt auf ihren Namen eine Ratenzahlungsvereinbarung an, sind es ihre und keine gemeinsamen Schulden. In diesem Fall haftet der Ehegatte nicht für die Schulden des anderen.

Dies greift auch bei einem Mietvertrag. Schulden aus einem Mietverhältnis sind nur dann gemeinsame, wenn beide Ehepartner diesen Vertrag unterschrieben haben. Voraussetzung ist, dass beide Ehepartner im Mietvertrag stehen.

Dies gilt auch, wenn keine Gütertrennung vereinbart wurde. Auch ohne Ehevertrag, in der so genannten Zugewinngemeinschaft, haftet der Ehepartner nicht für die Schulden des anderen Ehepartners.

Schulden sind nur dann gemeinsam, wenn beide Ehegatten sich verpflichtet haben. Dies bedeutet, dass beide einen Kauf- Kredit- oder Mietvertrag gemeinsam unterschrieben haben.

Für Schulden auf einem gemeinsamen Konto haften beide Eheleute gemeinsam.

Gibt es die Möglichkeit, dass der Ehegatte, welcher die Schulden abbezahlt, vom anderen Ehegatten eine Beteiligung z. B. an den Raten fordern kann?

Ja, eine Ausnahme gibt es. Die Schulden dürfen nicht die gemeinsamen Lebenshaltungskosten betreffen, sondern müssen einem darüber hinausgehenden Zweck dienten. Nimmt z. B. der Ehemann einen alleinigen Kredit auf, um seiner Ehefrau ein eigenes Geschäft für beide Ehegatten zu ermöglichen, kann eine Beteiligung an den Raten gefordert werden, obwohl sie nicht unterschrieben hat.

Nimmt allerdings die Ehefrau alleine einen Kredit auf, um einen gemeinsamen Urlaub zu finanzieren, kann sie keine Beteiligung vom Ehemnann fordern. Urlaubskosten zählen nämlich zu den allgemeinen Lebenshaltungskosten.

Wichtig bei gemeinsamen Schulden.

Beide Ehegatten haften gemeinsam für die volle Summe. Der Gläubiger kann von beiden Eheleuten die Zahlung des gesamten Kredites verlangen. Die Aussage eines Ehegatten, dass er nur die Hälfte zahlen muss, spielt dabei keine Rolle. Auch wenn ein Ehepartner bereits über die Hälfte zurückbezahlt hat und der andere Ehepartner ist zahlungsunfähig, muss der erste weiterbezahlen. Natürlich muss die gesamte Summe nur 1x bezahlt werden und nicht doppelt. Die beiden getrennt lebenden Ehegatten müssen untereinander klären, wie sie die Summe zurückbezahlen. Der Gläubiger ist aus und vor von dieser Regelung. Kommt es allerdings zum Verzug der Raten, oder können diese aus irgendwelchen Gründen nicht mehr gezahlt werden, kann der Gläubiger gegen beide Ehegatten das gesetzliche Mahnverfahren einleiten, was er zur Sicherung seiner Forderung auch tun wird.